Zoogeschichte
Von der Wasserfallanlage zum Zoologischen Garten
Es begann anno 1795 mit der Gestaltung von Wasserfällen, Springbrunnen und einer Grotte. 133 Jahre später macht der Tierliebhaber Bruno Schulz aus der gepachteten Wasserfallgaststätte und einem ersten heimischen Tiergehege einen Publikumsmagneten. Sein Lebenswerk fällt 1945 den fliehenden Waffen-SS-Verbänden zum Opfer. Aber sein Sohn Günter Schulz erweckt das Werk des Vaters wieder zum Leben und baut ab 1957 den Heimattierpark und späteren Tierpark Eberswalde auf.
 
Mit seinem Nachfolger Dr. Bernd Hensch, der 1989 zum Direktor des Zoologischen Gartens Eberswalde berufen wird, kommen neue Aufgaben hinzu: Umweltbildung und -erziehung, Arten- und Naturschutz sowie biologische Forschungsthemen, einsehbare Freianlagen, naturnah gestaltete Tiergehege, attraktive Freizeitangebote, Barrierefreiheit - und vor allem: interessante Tiere aus fünf Kontinenten. Im Jahr 2000 wird der Eberswalder Zoo von einer internationalen Jury als "erstklassig" eingeschätzt - dieses Prädikat ist auch in Zukunft engagierte Verpflichtung.
 
Kleine Chronik und mehr...
 
Wasserfall und Wildpark Im Jahr 1795 schuf David Schickler die westwärts vom Zainhammer gelegenen Wasserfallanlagen im heutigen Zoologischen Garten Eberswalde. Das Waldgelände mit seinen Brücken, Wasserfällen, Springbrunnen, Lauben und einer Grotte war schon damals ein lohnendes Ausflugsziel. Dank der neu eröffneten Eisenbahnlinie waren die Wasserfallanlagen auch für die Berliner ab 1842 gut erreichbar. Franz Mücke, später Musikdirektor, wählte den Wasserfall im Jahr 1847 für das große Märkische Sängerfest aus, das in den folgenden Jahren zur Tradition werden sollte. Das "Mücke-Denkmal" wurde 1863 feierlich enthüllt - zu Ehren des damals bereits verstorbenen Musikdirektors.
 
Mit dem Tierliebhaber Bruno Schulz, der 1928 die damalige Wasserfallgaststätte als Pächter übernahm, begann die Entwicklung zu einer tiergärtnerischen Anlage. Schulz plante eine geräumige und vor allem niveauvolle Ausflugsstätte mit einem angrenzenden kleinen Wildpark. Der Erstbesatz umfasste damals etwa 20 einheimische Wildtiere. In den Folgejahren wurden Uhus, Blässhühner, Störche, Rotfüchse, Marder, Waschbären, Rot- und Damwild und vieles mehr, neben einer hervorragend geführten Gaststätte, zu einem echten Besuchermagneten.
 
Zerstörung und Wiederaufbau
 
Das Lebenswerk des Bruno Schulz wurde am 24. April 1945 völlig zerstört. Fliehende Waffen-SS-Verbände sorgten dafür, dass nur noch ein Fleckchen verbrannter Erde vom Wildpark und der Gaststätte übrig blieb. Der Wiederaufbau des Wasserfallparks war Bestandteil des 2. Fünfjahrplans der ehemaligen DDR bis zum Jahr 1960.
 
Sein Sohn Günter Schulz war es, der im Jahr 1957 die Planung und später die Gestaltung des nun Heimattierparks Eberswalde übernahm. Nach nur einem Jahr Bauzeit entstanden erste Tiergehege, die Umzäunung des Geländes, das kleine Kassenhäuschen sowie das Tierpark-Wohnhaus des Direktors.
 
Nachkriegsjahre und politische Wende
 
Unter der Leitung von Günter Schulz entwickelte sich der Park zu einer niveauvollen tiergärtnerischen Einrichtung. Auf Grund der erfolgreichen Haltung u.a. von Löwen, Tigern, Pumas, Leoparden, Bären und später auch Affen wurde der damalige Heimattierpark in Tierpark Eberswalde umbenannt.
 
Im April 1989 wurde Dr. Bernd Hensch zum Direktor des Zoologischen Gartens Eberswalde berufen. Hensch war bereits seit 1981 - nach Beendigung seines Biologiestudiums an der Humboldt-Universität zu Berlin - als wissenschaftlicher Assistent und ab 1983 als stellvertretender Direktor im damaligen Tierpark tätig. Zu den Schwerpunkten wie Zucht und Haltung von Wild- und Haustieren kamen neue Aufgaben wie Umweltbildung und -erziehung, Arten- und Naturschutz sowie biologische Forschungsthemen hinzu. Naturstein, Eichen- und Robinienholz wurden jetzt als Baumaterial verwendet. Einsehbare Freianlagen lösten Metallzäune, geputzte Fassaden und Sichtbeton ab. Ziel war es, einen naturnah gestalteten Tiergarten mit ansprechenden Details und interessanten Tieren aus fünf Kontinenten zu schaffen.
 
Zoo und Bildungspark
 
Mit der Umgestaltung des Zoologischen Gartens Eberswalde zu einem Bildungspark, das heißt einer "Schule im Grünen" und einem Zoo für Menschen und Tiere stiegen sowohl die Tiergeburten wie auch die Besucherzahlen. Waren es 1990 noch 160.000 Besucher, zählte man im Jahr 2009 rund 250.000 Gäste.
 
Heute nimmt der Zoo auch internationale Aufgaben im EEP (Europäisches Tierarterhaltungsprogramm) wahr. Als kleine Arche Noah werden u.a. auch vermehrt vom Aussterben bedrohte Wild- und Haustierarten gehalten und erfolgreich nachgezogen.
 
Kleine Chronik
 
1958 Wiedereröffnung des "Heimattierparks".
 
1961 Bau eines Leopardengeheges.
 
1963 Einweihung des Löwenhauses mit erstem kleinen Außengehege, Bau eines Kinderspielplatzes.
 
1964 Gehege für Shetlandponys, Bau der kleinen Tierparkgaststätte.
 
1965 Tierfutterküche und "Futterbergehaus" - Gehege für Esel, Schafe und Ziegen und Warmhaus für Husarenaffen - Bau des Damwildgatters.
 
1966 Volieren für Waldkäuze und Schleier-Eulen - Bau einer ersten Holzbrücke über den Teich.
 
1967 Anlagen für Iltisse und Waschbären sowie für Mufflons und Lamas.
 
1969 Eröffnung der Tierpark-Gaststätte zum 20. Jubiläum der damaligen DDR.
 
1973 Gehegeanlage für Bengaltiger.
 
1976 Voliere für Europäische Uhus.
 
1980 kleines Tiergehege für Sibirische Tiger.
 
1981 Yak- und Wapitihirschgehege.
 
1982 Umbau der Tierpark-Verwaltung beginnt.
 
1984 Großvoliere für Steinadler.
 
1985 Nasenbärengrotte - Sanierung der Baum- und Steinmardergehege.
 
1986 Anlagen für Rot- und Polarfüchse.
 
1987 Voliere für europäische Wildkatzen sowie Gehege für europäische Luchse.
 
1989 Dr. Hensch wird Zoodirektor.
 
1990 Gründung des Vereins der Freunde und Förderer des Tierparks Eberswalde e.V.
 
1991 Tierparkteich (Beginn einer dreijährigen Sanierung) - behindertengerechte Gehwege.
 
1992 Neubau des Trampeltier- und Yakgeheges - erste völlig freilebende Affengruppe im Zoo (Weißbüscheläffchen) - neue Teichbrücke, Taubenhaus und neues Hängebauchschweingehege - großer Spielplatz entsteht.
 
1993 Neubau eines Lama- sowie eines Zebrageheges - Bau einer Schnee-Eulenvoliere - drei Gehege für Sakis, Lisztäffchen und Katta in Kooperation mit dem Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung - Neugestaltung des Wildschweingeheges - Rekonstruktion des alten Sängerdenkmals - Neubau Löwenäffchengehege, Uhu-Voliere und Nilgauantilopengehege.
 
1994 Anlage für Steinmarder, neues Wisenthaus, neue Anlage für Stachelschweine, Gepardengehege - Flamingohaus mit Außenanlage - Tigergehege wird erstmals erweitert und umgebaut - Teichsanierung abgeschlossen, zwei Fontänen und Inseln entstehen zusätzlich - zweite völlig freilebende Affengruppen im Zoo (Weißkopfmakis).
 
1995 Neubau eines Haustiergeheges, einer Anlage für Kattas sowie einer Gänsegeiervoliere - Neueröffnung der sanierten Zoogaststätte "Brauner Bär" - Tierparkhäusl wird rekonstruiert.
 
1996 Bau des Pinguingeheges - Umbau Rothirschhaus zum Antilopen- und Zebrahaus - Bau der Anlage für schwarze Leoparden - Beginn der Freilandhaltung für Präriehunde - Bau eines neuen Sanitär- und Toilettenhauses sowie einer Voliere für Steppenadler.
 
1997 Aufnahme von Direktor Dr. Hensch in den Verband Deutscher Zoodirektoren - neue Tieranlage für Rote Varis.
 
1998 Verleihung des Umweltpreises der Bundesrepublik Deutschland für ein innovatives Projekt zur Energieeinsparung/Urwaldhaus mit dezentraler Wärmeversorgung für alle Tier- und Wirtschaftsgebäude - Eröffnung des Urwaldhauses - Abenteuerspielplatz mit der ersten Eberswalder "Hängebrücke", Steil- und Hochrutschen - "Bock auf Zoo" Kinder, Jugendliche und "Promis" bei der Arbeit und im Gespräch (Aktion wird zur jährlichen Tradition) - Gemeinschaftsanlage für Europäische Braunbären und Wölfe - fünf neue Lehrschaupavillons mit Themen zur Umweltbildung und -erziehung - Umbau des Zoos zum Bildungspark beginnt.
 
1999 Zooschule "Märchenvilla" öffnet - Bau des "aufregendsten" Löwengeheges der Welt - Umbauarbeiten zur Barrierefreiheit im Zoo abgeschlossen - Bau eines begehbaren Kängurugeheges sowie eines neuen Geheges für Binturongs - Großvoliere für Weißkopfseeadler.
 
2000 Zoo wird von internationaler Jury als "erstklassig" eingeschätzt und bekommt die besten Noten aller deutschen Zoos - Eröffnung eines offiziellen Standesamtes in der Zooschule - Zwergottergehege sowie eine Voliere für Bartkäuze entstehen - der freilebende Wolf "Dreibein" wird gefangen und erhält ein Gastquartier im Zoo - Eröffnung des Zoomuseums - Einweihung eines Tierhauses für Nilgau-, Hirschziegenantilopen und Kraniche - Gibbonhaus und -gehege werden saniert, zusätzlich Teichinsel und Kletterbrücke.
 
2001 Anlage für Totenkopfäffchen und Gehege für Rentiere - Artenfriedhof wird eingeweiht - Pflasterung von Besucherwegen im Park (jede Tieranlage ist für Menschen mit Behinderungen und Kinderwagen erreichbar).
 
2002 "1. Lange Zoonacht" mit Open-Air Kino - Wintergarten für Nasenbäranlage.
 
2003 Einweihung Zoostraße - Bau der Südamerikaanlage mit begehbarem Wintergarten.
 
2004 Angela Merkel tauft im Zoo einen Pinguin - Brücke über dem Zooteich wird saniert und neugestaltet - Bau des Naturbackofens "Zum Lauschigen Hans" - neuer Aussichtsturm am Gibbongehege - Neubau eines Gemeinschaftshauses für Lamas, Nasenbären, Nandus und Capybaras - dritte im Zoo völlig freilebende Affengruppe (Katta).
 
2005 "1. Afrikanische Zoonacht" wird ein voller Erfolg und zur jährlichen Tradition - die Zootouren werden eingeführt, die 1.Tour vom Zoo Eberswalde zum Zoo Rostock über 320 km bringt Spendeneinnahmen in Höhe von 30.000 € - Sanierung des Sozialgebäudes mit Geld aus einer Zooerbschaft.
 
2006 25jähriges Dienstjubiläum von Zoodirektor Dr. Hensch - Zoo-TV ab sofort an jedem Krankenbett sowie live im Internet - Verleihung des Qualitätsgütesiegels für den Eberswalder Zoo auf der internationalen Tourismusbörse in Berlin.
 
2007 Einweihung der Bronzebüste des ehemaligen Tierparkdirektors und Ehrenbürgers der Stadt Eberswalde Günter Schulz - neues Schlangen- und Schildkrötengehege im Urwaldhaus.
 
2008 Zoo feiert sein 80-jähriges Bestehen mit einem großen Zoofest -"1. Fahrradtour für den Eberswalder Zoo" durch den Landkreis Barnim mit Spendeneinnahmen in Höhe von 40.000 € - Einweihung der eiszeitlichen Gletscherlandschaft mit Freigehege für Sibirische Tiger sowie Gletscher- und Klimaspielplatz - Rekonstruktion der Gepardenanlage.
 
2009 Neubau eines Schlangen- und eines Schildkrötengeheges im Urwaldhaus. Der Landrat des Landkreises Barnim Bodo Ihrke und der Bürgermeister der Stadt Eberswalde Friedhelm Boginski unterschreiben einen Vertrag über die dauerhafte Kofinanzierung des Eberswalder Zoos durch des Landkreises Barnim.
 
Bemerkenswerte Erstnachzuchten
im Eberswalder Zoo seit der Wende
 


 
1991 Hellroter Ara, Weißbüscheläffchen, Afrikanischer Löwe
1994 Braunbär, Nandu, Trampeltier, Känguru, Gelbbrustara
1995 Lisztäffchen, Weißkopfmaki
1996 Präriehund
1997 Springbock, schwarzer Leopard, Steppenadler
1998 Humboldtpinguin, Europäischer Wolf
1999 Springtamarin
2001 Steppenzebra, Flughunde, Weißstorch, Weißkopfsaki
2002 Weißkopfseeadler, Rentier, Tigerpython
2003 Gelbwangenschopfgibbon
2004 Wasseragamen, Kattaäffchen
2005 Totenkopfäffchen, Kronenkranich
2006 Grünflügelara Rotbauchtamarin
2007 Anamschildkröte, Dreikielschildkröte
2008 Schwarzweißer Vari, Indigonatter
2009 Präriehund, Großer Mara, Gebirgslori, Serval
2010 Alpenmurmeltiere, Chinaleopard
 
Zoo Eberswalde